Wahrheit ist kein demokratischer Prozess

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Wahrheit und Wissenschaft unterliegen nicht demokratischen Regeln. Die Wahrheit ist keine Mehrheitsentscheidung und die wissenschaftliche Suche nach der Wahrheit darf nicht von Mehrheiten abhängen. Die Suche nach Mehrheiten ist nicht die Suche nach Wahrheit.

Kein unternehmensphilosophisches Thema, aber es ist mir ein Bedürfnis.

Schauen wir mal etwas genauer hin…

Hat man das Bedürfnis, eine Beobachtung – beispielsweise in der Natur oder in der Wirtschaft – wissenschaftlich zu beschreiben oder zu erklären, so stellt der Wissenschaftler hierüber eine These oder eine Hypothese auf. Früher war es einmal Standard, sich bei der Verifizierung einer Hypothese an den Lehren des Wissenschaftstheoretikers Karl Popper zu orientieren. Hiernach galt eine These oder Hypothese solange als wahr bis sie widerlegt wurde. Hypothesen, die auf Beobachtungen beruhen, sind von Natur aus so komplex, dass sie sich nicht abstrakt beweisen lassen. Sie lassen sich belegen, aber Belege sind keine Beweise. Im Gegenteil, es genügt ein einziges Gegenbeispiel, um eine Hypothese zu falsifizieren. Manchmal hat man den Eindruck, dass dieser im Grunde einfache wissenschaftliche Ansatz in Vergessenheit geraten ist.

Seriöse Forschung würde versuchen, eine Hypothese zu widerlegen, denn wenn dies trotz intensiver Bemühungen nicht gelingt, ist dies ein sehr starkes Indiz für den Wahrheitsgehalt der Hypothese. Wenn es gelingt, war die Hypothese eben falsch und man sieht sich nach einer neuen Hypothese um, in die die Erfahrungen der Falsifizierung einfließen können und müssen.

Machen wir ein Beispiel:

Angenommen, es gibt eine Hypothese und dazu 100 Forschungsergebnisse. 99 Forschungsergebnisse sind Belege für die Richtigkeit der Hypothese, ein einziges widerspricht der Hypothese. Dann gewinnt nicht die Mehrheit, sondern der einzige Gegenbeleg muss ausreichen, die Hypothese zu verwerfen und ggf. neu zu formulieren. Das ist „bitter“ für den Wissenschaftler, der die Hypothese aufstellte, jedoch sollte er dies überwinden können, ist er doch wissenschaftliches Arbeiten gewohnt. Viel bitterer ist dies jedoch für einen Politiker, der sich der These bemächtigte, denn jener denkt in Mehrheiten und nicht in wissenschaftlichen Kategorien. Der Politiker wird möglicherweise auf der überwältigenden Mehrheit von fast 100% positiver Belege herumreiten und verschließt damit sich und seinen Anhängern den Blick auf die Wahrheit.

Wahrheit ist kein demokratischer Prozess, sondern Wahrheit IST.

Wahrheit ist definitiv keine Frage von Mehrheiten.

Viele Politiker haben Politologie, also Politikwissenschaft studiert. Obwohl dort das Wort Wissenschaft den Studiengang mit beschreibt, kann man nicht den Eindruck gewinnen, dass wissenschaftliches Arbeiten im oben beschriebenen Sinne dort vermittelt wird. Politiker sind es gewohnt, Mehrheiten zu suchen oder zu schaffen. Dabei treibt das Schaffen von Mehrheiten mitunter merkwürdige und besorgniserregende Blüten. So werden heutzutage Gegner einer politisch übernommenen Hypothese gerne verunglimpft, sei es als Querdenker, Covidioten, Klimaleugner, Reichsbürger oder sogar Nazi. Dies geschieht trotz ernst zu nehmender Belege, die gegen die zugrunde liegende Hypothese sprechen. Das hat nichts zu tun mit wissenschaftlicher Arbeit und schon gar nichts mit einer seriösen Suche nach der Wahrheit.

Die Wahrheit selbst schert sich nicht um Mehrheiten. Die Wahrheit IST einfach.

Zur Erinnerung, es können noch so viele Gelder in die Bestätigung einer Hypothese gesteckt werden, noch so viele Gegner der Hypothese verunglimpft werden. Es genügt ein einziges Gegenbeispiel, um eine Hypothese zu falsifizieren. Mit Nachdruck, ja mit Gewalt an einer falsifizierten Hypothese festzuhalten, ist hochgradig unwissenschaftlich und schon gar nicht im Dienste der Wahrheitsfindung. Falsifizierte Hypothesen müssen überarbeitet werden, um sie weiteren Falsifizierungsversuchen zu unterziehen. Nur so ist Fortschritt möglich. Dies jedoch kann man nicht der Politik oder den Konzernen überlassen, es braucht (was wir früher einmal hatten) eine unabhängige Forschung von Wissenschaftlern, die aus sich heraus wissen, was sie tun und nicht nur was sie tun sollen.

Echte Wissenschaft ist der Wahrheit verpflichtet, nicht der Politik oder den Geldgebern.

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