„gute“ Unternehmensphilosophie

Eine gute Unternehmensphilosophie ist weit mehr als ein Marketinginstrument. Sie muss gelebt werden und erlebbar sein.

Was zeichnet eine „gute“ Unternehmensphilosophie aus?

Eine Unternehmensphilosophie ist gewissermaßen eine unternehmensspezifische Anleitung zum Wirtschaften, zum Handeln. Sie beschreibt die Absichten des Unternehmens. Aus der Unternehmensphilosophie kann der geneigte Leser erkennen, welchen Nutzen das Unternehmen für wen oder was auch immer zu stiften beabsichtigt.

Die Unternehmensphilosophie berücksichtigt drei grundlegende Aspekte.

1. Der Nutzen für den Unternehmer

Nutzen für den Unternehmer ist natürlich, aber nicht alleine, der Gewinn. Ohne wenigstens einen minimalen Gewinn ist ein Unternehmen auf Dauer nicht überlebensfähig. Potentielle Nutzen können beispielsweise auch Versorgung, Krisenresilienz, Unternehmernachfolge oder andere sein.

2. Der Nutzen für das Unternehmen

Unter Unternehmen verstehen wir hierbei nicht nur die Mitarbeiter, sondern alle mit dem Unternehmen irgendwie verbundenen Individuen oder Einheiten. Beispielsweise Kunden, Lieferanten oder Anwohner. Bei den Mitarbeitern spielt möglicherweise die Freude an der Arbeit, wenn nicht gar Begeisterung, eine entscheidende Rolle, wichtiger vielleicht sogar als die Entlohnung. Bei Lieferanten und Kunden ist die „Augenhöhe“ ein entscheidender Faktor. Kein Kunde und kein Lieferant mag über den Tisch gezogen werden oder sich ausgenutzt, wenn nicht gar betrogen fühlen.

3. Der Nutzen für die Umwelt

Last but not least ist der Nutzen für die Gesellschaft und die Natur, ganz allgemein für die Umwelt, von entscheidender Bedeutung. Begriffe wie Nachhaltigkeit, Schonung von Ressourcen, Kreislaufwirtschaft spielen hier eine wichtige Rolle. Das ist gerade das Gegenteil von Wegwerfkultur, die auch irgendwie dem Wachstum geschuldet ist.

Alles in allem bedeutet dies, dem unternehmerischen Wirtschaften einen SINN zu geben, einen SINN jenseits des Geldes. Der Sinn geht dabei weit über einen singulären Nutzen hinaus. Der Sinn dient etwas Höherem, er dient dem Großen und Ganzen und ist auch in die Zukunft gerichtet.

Soweit die Theorie.

Neben der Theorie braucht eine „gute“ Unternehmensphilosophie auch eine Praxis. Schöne Formulierungen und bedrucktes Hochglanzpapier machen noch lange keine tragfähige Unternehmensphilosophie aus.

Ein kluger Mann, einst beschäftigt als leitender Controller in einem der größten Unternehmen der Welt, hat einmal zu mir gesagt:

Sie stellen den Menschen in den Mittelpunkt, damit sie ihm besser in den Arsch treten können.

Mit „Sie“ war wohl die Unternehmensleitung gemeint.

 Wenn eine Unternehmensphilosophie nicht mit Leben erfüllt wird, ist sie vielleicht ein Marketinginstrument und dient dann der Täuschung von Kunden, Lieferanten oder potentiellen Aktionären. Sie verdient jedoch den ernsthaften Begriff „Unternehmensphilosophie“ eher nicht. Eine Unternehmensphilosophie ist dann eine gute Unternehmensphilosophie, wenn sie von allen Beteiligten gelebt wird und erlebt werden kann. Transparenz ist ein wichtiges Kriterium. Leben und Er-Leben ist der Kern.

Es geht somit in der Theorie der Unternehmensphilosophie um Erkennen und Formulieren. In der Praxis der Unternehmensphilosophie geht es um Leben und Erleben.

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